Ruth Schöllhammer 26.07.2016

„Ich hänge alles an den Nagel“

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OLYMPUS DIGITAL CAMERAbeschloss Heike Haas kurz nach ihrem 40. Geburtstag: „Endlich den Job meines Herzens finden und finanziell unabhängig sein.“ Im Entrepreneurship Center der Universität der Bundeswehr München begleitete sie zahlreiche wissenschaftliche Mitarbeiter, Gründerinnen und Gründer auf dem Weg zum Unternehmertum. Aber selbst selbstständig zu werden? Das ist dann doch etwas ganz anderes. Zuerst gönnte sich Heike einen Karrierecoach, mit dem sie zusammen herausarbeitete, was sie eigentlich wirklich will. Ergebnis der Beratung war die Gründung von waschatelier – für Kunst und Kommunikation – ihr Angebot: Illustration, Malerei und Graphic Recording.

Ein Graphic Recorder zeichnet das Gesagte aus Panelsessions, Workshops und Design-Thinking-Runden live auf Papier mit. Die Gesprächsvisualisierungen helfen Diskussionen in Gang zu setzen, Mitarbeitern und Verantwortlichen in Unternehmen Herausforderungen konkret vor Augen zu führen und der Presse/Öffentlichkeit auf einen Blick, komplexe Zusammenhänge zu veranschaulichen.

Der Weg dahin war nicht immer geradlinig – dafür oft von glücklichen Zufällen begleitet. Zuerst fand die gebürtige Münchnerin überraschend ein bezahlbares Atelier in der Stadt. Die ersten Umsätze kamen über Malkurse und Ausstellungen zusammen. An der VHS konnte sie sich als Dozentin einen Namen machen.

Das schwierigste in der Anfangsphase war die Preisgestaltung. Heike holte sich Rat bei einem befreundeten Unternehmer und Kollegen aus der Graphic Recorder Branche. Zum Thema Investitionen beriet sie ihr Freund, der eine eigene Marketingagentur hat: „Wenn ich dich buchen würde, müsstest du mir das ganze Paket bieten.“ Damit meinte er die Anschaffung einer Graphic Wall, eine tragbare Wand, auf der das Papier aufgespannt werden kann. So tätigte Heike ihre erste große Investition, ohne zu wissen, ob sich die Anschaffung amortisieren würde.

Ihr Tipp für Gründerinnen und Gründer:

  • Mein Leitspruch war immer „Füße am Boden – Kopf in den Wolken“. Man darf ruhig träumen und sich ausprobieren, aber alles sollte ab und zu einem Realitätscheck unterzogen werden –„Kann ich damit in München Geld verdienen?“ Alleine von der Malerei zu leben erschien mir – ohne Abschluss einer Kunstakademie – sehr schwierig. Illustration in Verbindung mit Graphic Recording war schließlich die Lösung.
  • Pläne machen, Ziele nicht aus den Augen verlieren – gerade, wenn es mal nicht so läuft – und diszipliniert und fleißig sein. Ziele definieren, auch wenn sie noch so klein sind. Und immer innerhalb eines selbst gesteckten Zeitplans bleiben, um die Kontrolle zu behalten und sich nicht zu verzetteln.
  • Gerade im Hinblick auf mögliche Kooperationen, sollte man klar machen, dass man ein verlässlicher Partner ist: Absprachen einhalten, Eigeninitiative zeigen, pünktlich sein, gute Qualität abliefern, proaktiv handeln, Ideen einbringen.
  • Netzwerken, Netzwerken, Netzwerken – das ist das A und O: von seiner Idee erzählen, von seiner Dienstleistung oder seinem Produkt. Sich austauschen und vernetzen. Das hilft ungemein!
  • Flexibel sein und sein Angebot immer dem Bedarf anpassen – soll heißen, Sonderwünsche des Kunden gerne unkompliziert mit aufnehmen, was u.a. bei den Flipcharttrainings vorkommt.
  • Gutes tun, das heißt für NGO´s und karitative Einrichtungen zeichne ich auch mal unentgeltlich oder zu einem stark verminderten Satz.

Unser Tipp: besucht mal das waschatelier.de und lasst Euch inspirieren.

Heike Haas Graphic Recording

3 Gedanken zu „„Ich hänge alles an den Nagel““

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